Exkursion durch den Gotthard-Basistunnel

Abfahrt in Basel SBB

Nach 17jähriger Bauzeit wurde 2016 der Gotthard-Basistunnel eröffnet. Für unsere Gruppe ein Anlass sich das Jahrhundertbauwerk von Nahem anzusehen. Die SBB bot Sonderfahrten mit dem Sonderzug „Gottardino“ durch den Tunnel an, mit Halt an der Nothaltestelle Sedrun und einer Ausstellung im Seitenstollen.

Am Sonntag, dem 20. November machten wir uns zu dritt auf die Reise quer durch die Schweiz. Wir begannen die Reise um 11:04 in Basel mit dem ICN 671 in Richtung Lugano, einem Alstom ETR 610 der SBB. Um 12:44 erreichten wir Arth-Goldau um vom Schnellzug in den Interregio IR 2421 zu wechseln, der nach Locarno unterwegs war. Beide Züge würden durch über die Gotthardbahn fahren, doch wollten wir in Flüelen aussteigen.

Picknick in Flüelen

In Flüelen machten wir Rast und Mittagspause. Das Wetter war sehr schön, es herrschte aber auch sehr starker Wind. Trotz angenehmer Temperaturen im November war die Saison längst vorbei: Der Fähranleger und das dort gelegene Bistro und Restaurant waren geschlossen. Nach einem Picknick am Hafen und einen kurzen Sparziergang durch den Ort stiegen wir in den Gottardino. Geschmückt mit einer weissen Lok mit der Aufschrift „Gottardo 2016“ wurden wir als „Pioniere“ empfangen. Die Sonderfahrten erfreuen sich grosser Beliebtheit, der Zug war ausgebucht obwohl es sich um ein kurzfristig eingesetzter Verstärkerzug handelte.

Um 14:20 fuhren wir ab Flüelen los in Richtung des Gotthard-Basistunnels. Unterwegs gab es Informationen zum Tunnel und dem Betriebskonzept. So werden auf der Strecke bei Rynächt die Schnellzüge auf 200 km/h beschleunigt. Bei Altdorf werden Güterzüge vor ihrer Einfahrt in den Tunnel angehalten und gesammelt während die Personenzüge passieren. Anschliessend fahren bis zu drei Güterzüge hinter einem Personenzug in den Tunnel ein. Der Tunnel ist für eine Geschwindigkeit bis 249 km/h freigegeben, Personenzüge sollen 200 km/h, Güterzüge mit bis zu 160 km/h fahren.

im Gotthard-Basistunnel

Nach nur wenigen Minuten erreichten wir beim km 21 die Nothaltestelle Sedrun, wo der Zug anhielt und wir kurz darauf aussteigen und uns 45 Minuten im Tunnelsystem umsehen konnten. Ein Ausstellung war vorbereitet, es gab eine Videopräsentation vom Bau und der Eröffnung des Tunnels, viel Information und einen Stempel in den „Pionierpass“, den die SBB an die Fahrgäste ausgegeben hatte. Im Berg herrschte eine Temperatur von ca. 32 °C. Durch den natürlichen Luftzug war die Luft angenehm trocken. Ein Mitarbeiter erzählte uns, dass während des Baus die Temperaturen höher lagen und wegen der geringeren Lüftung und dem Wasseraustritt die Luftfeuchtigkeit sehr hoch war, so dass das Klima unangenehm feucht-warm war. Sollte die natürliche Lüftung durch Kamin-Effekt und der Kolbenwirkung der Züge nicht ausreichen kann durch die Zugangsstollen in Sedrun und Faido per Gebläse Frischluft zugeführt werden. Über den Fahrröhren im Bereich der Nothaltestellen wurden in die Tunneldecke Abluftkanäle eingebaut, ein weiteres Tunnelsystem mit mehreren Metern Durchmesser. Über diese Ablufttunnel kann die Fahrröhre im Notfall entraucht werden. Im Fall einer Havarie im Tunnel werden beide Tunnelröhren gesperrt. In der „gesunden Röhre“ wird ein Evakuierungszug bereitgestellt in den die Fahrgäste durch Querschläge zwischen den Fahrröhren umsteigen können. Ausserdem können Züge an den Nothaltestellen Sedrun und Faido anhalten und ihre Fahrgäste in Seitenstollen evakuieren. Durch die Seitenstollen besteht ein Fluchtweg in die Multifunktionsstellen Sedrun bzw. Faido. Die Laufwege vom Ende der Seitenstollen bzw. den Nothaltestellen bis zu den Multifunktionsstellen betragen fast 2 km. Eine Evakurierung durch die Zugangsstollen zu den Multifunktionsstellen ist nicht geplant.

Nach dem Rundgang durch die Seitenstollen der Nothaltestelle Sedrun fuhren wir im Gottardino weiter. Nach ca. zehn Minuten erreichten wir die zweite Nothaltestelle, bei der Multifunktionsstelle Faido. Dort befindet sich auch wie unter Sedrun eine Schnellfahrweiche und ein Verbindungstunnel zwischen den beiden Fahrröhren, so dass ein Gleiswechsel im Tunnel möglich ist.

Gegen 16:30 erreichten wir im Gottardino den Bahnhof Biasca. Von dort fuhren wir nach Biasca um erneut einen ETR 610, diesmal von der Trenitalia aus Mailand kommend auf dem Weg nach Luzern. In Arth-Goldau nahmen wir im Bahnhof-Bistro ein Abendessen ein, bis unser IC nach Basel eintraf. Gegen 22 Uhr waren wir wieder zuhause.

Bilder von der Exkursion auf Wikimedia Commons:
Protokoll auf Wikipedia:

 

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